"FRAUEN SIND EIN WETTBEWERBSVORTEIL."

CAROLIN STROTMANN, ABTEILUNGSLEITUNG HOCHBAU

Carolin Strotmann

Carolin Strotmann, Abteilungsleiterin Hochbau, über das Verhältnis von Frauen und Männern im Bauingenieurwesen und über ihre Vorbildfunktion als Führungskraft

Frau Strotmann, früher mussten sich technikbegeisterte Frauen dumme Sprüche anhören. War das auch bei Ihnen noch so?
Auf den Baustellen und in Baubesprechungen wurde ich anfangs komisch beäugt. Nach dem Motto: „Was ist das denn für eine?“ Ich wurde auf die Probe gestellt, musste mich stärker beweisen als zum Beispiel ein junger Ingenieur. Andererseits wurde ich auch wieder besser behandelt als manche Männer. Der Umgangston auf einer Baustelle ist in der Regel rau. Wenn ich dabei war, haben sich die Herren oft in ihrem Tonfall zurückgenommen. Baustellen sind immer noch ein besonderer Ort, wenn man eine Frau ist und wenn man Entscheidungen trifft, die die Leute nicht gerne sehen.

Zum Beispiel?
Wenn ich eine Wand abreißen lasse, weil sie in der falschen Betongüte betoniert worden ist. Dann stehen die Handwerker daneben und sagen: „Hat die sie noch alle?“ Lasse ich dieselbe Wand ein zweites Mal abreißen, weil die Eisen nicht richtig eingebaut wurden, schauen sie dich mit noch größeren Augen an. In solchen Fällen muss man zu seinen Entscheidungen stehen und sie durchziehen.

Wie kam es dazu, dass Sie in einem technischen Beruf arbeiten?
Schon in der Schule habe ich mich für Mathematik, Physik und Naturwissenschaften interessiert. Außerdem komme ich vom Bauernhof, da ist man praktisch veranlagt. Mit meinem Vater baute ich zum Beispiel einen neuen Kuhstall und einen Schweinestall. Ich wusste früh, was ich wollte: etwas Handfestes. Ich wollte Bauwerke gestalten, die für lange Zeit Bestand haben.

Sie haben in Wuppertal Bauingenieurwesen studiert. War es besonders für Sie, ein Fach zu studieren, in dem traditionell die Männer dominieren?
Wir hatten 75 Prozent männliche und immerhin schon 25 Prozent weibliche Studierende. Ich kann mir vorstellen, dass es in anderen Ingenieurfächern, etwa im Maschinenbau, noch viel stärkere Unterschiede gibt. Bei den Bauingenieuren gleicht sich das Verhältnis langsam an. Wenn wir auf die Bewerber schauen, die sich für eine Stelle bei uns interessieren, haben wir mittlerweile genauso viele Frauen wie Männer. Das finde ich gut.

Nach dem Studium ging es direkt zu Schüßler-Plan?
2006 habe ich meine Diplomarbeit abgegeben – und drei Tage später hier angefangen.

Eine schwierige Situation, als junge Mutter Führungskraft zu sein?
Auf jeden Fall nicht einfach. Nach der Geburt meines Sohnes habe ich zehn Monate ausgesetzt und bin dann im Mai 2017 mit einer 100-Prozent-Stelle wieder eingestiegen. Drei Kolleginnen aus meiner Abteilung sind ebenfalls schwanger geworden – zwei von ihnen sind inzwischen mit 100-Prozent-Stellen zurück. Das finde ich toll. Ich glaube, es hat auch damit zu tun, wie ich das vorlebe. Ich bin der Meinung: Wenn man Abteilungsleiterin oder Führungskraft ist, muss man durch sein Handeln führen und als Vorbild fungieren.

Das heißt konkret?
Man muss manchmal unkonventionelle Wege finden und individuell auf Personen eingehen, um Lösungen zu finden, die zur Lage im Büro und zur persönlichen Situation passen. Wenn es zum Beispiel einen Termin gibt, den ich unbedingt wahrnehmen muss, und mein Sohn plötzlich krank wird, versuche ich, meine Arbeitszeit drum herum zu legen. Ich bleibe zum Beispiel bis mittags zu Hause, bis mein Partner kommt und unseren Sohn betreuen kann, und gehe dann ab 14 Uhr arbeiten. So biete ich das natürlich auch meinen Mitarbeitern an. Ich sage ihnen: Wenn etwas ist, gebt Bescheid, wir finden schon eine Lösung. Wir sind da sehr flexibel.

Das Verhältnis von Männern und Frauen ist bei Schüßler-Plan relativ ausgewogen. Ist das ein Vorteil?
Ja, sogar in zweierleich Hinsicht. Einerseits bringen Frauen einen anderen Umgangston in die Abteilung. Einen ruhigeren, vielleicht sanfteren. Das habe ich tatsächlich schon von Kollegen gehört, dass man hier, seit mehr Frauen da sind, anders miteinander umgeht. Das ist ähnlich wie auf den Baustellen, wovon ich anfangs erzählt habe, wo der Bauleiter sich nicht mehr ganz so stark aufregt, wenn eine Frau mit am Tisch sitzt. Andererseits sind gemischte Teams wichtig für die Außenwirkung und bringen einen Wettbewerbsvorteil. Manche Auftraggeber lassen einen nur noch zum Wettbewerb zu, wenn man nachweisen kann, genug Frauen zu beschäftigen und die Gleichbehandlung zu wahren. Gerade öffentliche Auftraggeber schauen auf solche Kriterien. Auch mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wofür wir uns bei Schüßler-Plan einsetzen, ist die Wirkung stark und trägt auf vielen Ebenen zum Erfolg des Unternehmens bei.

Was sagen Sie Ingenieurinnen, die eine Führungsposition anstreben?
Wenn man ein Ziel und eine klare Vorstellung hat, soll man darauf hinarbeiten und sich nichts anderes einreden lassen, von niemandem. Ich bin der Meinung, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es muss nicht immer der direkte Weg sein, es gibt auch Umwege. Aber wenn man wirklich etwas will, schafft man es.

Wie kamen Sie auf das Unternehmen?
Schüßler-Plan ist sehr breit aufgestellt und bietet viele Entfaltungsmöglichkeiten. Ich habe mich initiativ beworben und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich hatte ein sehr gutes Zeugnis, das hat dann wohl überzeugt. Nach dem Gespräch ging ich raus, und da hieß es schon: Okay, hier hast du deinen Arbeitsvertrag, kannst morgen anfangen. Und jetzt bin ich seit 2015 Abteilungsleiterin im Hochbau.

Würden Sie sagen, dass Sie als Frau in einer Führungsposition eine Vorbildfunktion haben?
Definitiv. Ich bin hier reingewachsen, und es macht mir unglaublich viel Spaß. Es ist nicht nur ein Job, sondern ein Stück weit auch Familie. Wir verbringen viel Zeit miteinander, unser Team ist toll. Vor zwei Jahren habe ich meinen Sohn bekommen. Familie und Beruf zu koordinieren, war eine Herausforderung. Die Geschäftsführung hatte das Vertrauen, mir die Abteilungsleitung zu übertragen. Sie hätten auch sagen können: Die ist sowieso bald für drei Jahre in Elternzeit. Diese Erwartungen wollte ich auf keinen Fall enttäuschen.

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